Existenzsicherndes Einkommen

Fast jeder große Schokoladenkonzern verspricht heute, Kinderarbeit zu bekämpfen.

Es gibt Siegel, Programme, Audits, Kontrollen und Aktionspläne. Seit Jahrzehnten werden neue Maßnahmen vorgestellt.

Trotzdem arbeiten nach Schätzungen weiterhin knapp 2 Millionen Kinder im Kakaosektor Westafrikas.

Die entscheidende Frage wird dabei erstaunlich selten gestellt:

Warum arbeiten diese Kinder überhaupt?

Die Antwort beginnt beim Einkommen ihrer Familien.

Was bedeutet Living Income?

Living Income bedeutet nicht Wohlstand. Es bedeutet lediglich, dass eine Familie von ihrer Arbeit leben kann. Genug Geld für Nahrung, sauberes Wasser, Kleidung, Schulbildung, medizinische Versorgung und ein einfaches, menschenwürdiges Leben. Nicht Luxus. Nicht Reichtum. Nur ein Leben ohne ständige Existenzangst.

Genau dieses Einkommen erreichen viele Kakaobauern in Ghana und der Elfenbeinküste bis heute nicht.Dabei stammen rund 60 Prozent des weltweiten Kakaos aus diesen beiden Ländern.

Die Wurzel des Problems

Wer zu wenig verdient, muss sparen. Wer noch weniger verdient, hat irgendwann keine Wahl mehr.Viele Kakaobauern können keine Erntehelfer bezahlen. Also arbeiten die eigenen Kinder mit.

Viele Familien können Schulgebühren, Schulmaterial oder Transportkosten nicht aufbringen. Also bleiben Kinder zu Hause oder fehlen regelmäßig im Unterricht.

Kinderarbeit entsteht nicht aus Bosheit.

Sie entsteht oft aus wirtschaftlicher Not.

Deshalb ist Kinderarbeit nicht nur ein Bildungsproblem.

Sie ist vor allem ein Armutsproblem.

Das große Tabu

Seit mehr als zwanzig Jahren diskutiert die Branche über Kinderarbeit:

Über Zertifizierungen wird gesprochen.

Über Monitoring-Systeme wird gesprochen.

Über Schulungen wird gesprochen.

Über Lieferketten wird gesprochen.

Über das eigentliche Problem wird dagegen erstaunlich selten gesprochen:

Geld.

Wer an Veranstaltungen der Branche teilnimmt, erlebt oft das gleiche Muster. Sobald die Diskussion auf höhere Einkommen für Bauern hinausläuft, wird es still. Die Debatte verlagert sich schnell auf Projekte, Standards oder Zertifizierungen.

Doch keine Kontrolle ersetzt ein Einkommen, das zum Leben reicht.

Keine Schulung ersetzt ein Einkommen, das zum Leben reicht.

Und kein Siegel ersetzt ein Einkommen, das zum Leben reicht.

Milliardengewinne auf der einen Seite

Während viele Bauernfamilien ums Überleben kämpfen, erzielen große Konzerne der Schokoladen- und Süßwarenindustrie jedes Jahr Milliardenumsätze. Die Wertschöpfung entsteht entlang der gesamten Lieferkette. Der kleinste Anteil bleibt häufig bei den Menschen hängen, die den Kakao tatsächlich anbauen.

Dabei würde bereits ein vergleichsweise kleiner Teil der Endverkaufspreise enorme Auswirkungen auf die Einkommen vieler Bauernfamilien haben.

Genau darüber wird jedoch deutlich weniger gesprochen als über neue Nachhaltigkeitsprogramme.

Wenn Börsen über das Leben von Bauern entscheiden

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Der Preis für Kakao entsteht nicht auf den Plantagen in Ghana oder der Elfenbeinküste. Er entsteht an internationalen Rohstoffbörsen.

Dort handeln Investoren, Fonds und Finanzakteure mit Kakaokontrakten. Oft haben diese Akteure niemals selbst eine Kakaoplantage gesehen. Steigen die Preise, profitieren Bauern häufig nur teilweise. Fallen die Preise, trifft sie die Krise dagegen unmittelbar.

Die Familien am Anfang der Lieferkette tragen oft das größte Risiko und erhalten gleichzeitig den kleinsten Anteil am fertigen Schokoladenprodukt.

Von Kinderarbeit bis Kindersklaverei

Viele Menschen denken bei Kinderarbeit an Kinder, die ihren Eltern gelegentlich helfen. Die Realität ist deutlich härter: Kinder tragen schwere Lasten. Sie arbeiten mit Macheten. Sie kommen mit gefährlichen Chemikalien in Kontakt.

Und in den schlimmsten Fällen geht die Ausbeutung noch weiter:

Menschenrechtsorganisationen dokumentieren seit Jahren Fälle von Kinderhandel und moderner Kindersklaverei im westafrikanischen Kakaosektor. Kinder werden dabei über Landesgrenzen hinweg verschleppt oder unter falschen Versprechen auf Plantagen gebracht und dort ausgebeutet. Diese Fälle sind nicht die Regel. Aber sie existieren. Und sie zeigen, wie weit Ausbeutung gehen kann, wenn Armut zum Geschäftsmodell wird.

Die unbequeme Wahrheit

Das Harkin-Engel-Protokoll wurde bereits im Jahr 2001 unterzeichnet. Die Branche versprach damals, Kinderarbeit deutlich zurückzudrängen.

Mehr als zwei Jahrzehnte später arbeiten noch immer knapp 2 Millionen Kinder im westafrikanischen Kakaosektor. Diese Zahl wirft eine unangenehme Frage auf:

Kann man Kinderarbeit wirklich bekämpfen, ohne die Armut der Bauernfamilien zu bekämpfen?

Solange Familien nicht genug verdienen, wird der wirtschaftliche Druck bleiben.

Solange dieser Druck bleibt, wird auch Kinderarbeit bleiben.

Deshalb führt kein Weg an einer einfachen Erkenntnis vorbei:

Wer Kinderarbeit ernsthaft bekämpfen will, muss dafür sorgen, dass die Menschen, die unseren Kakao anbauen, von ihrer Arbeit leben können. Vielleicht liegt genau darin die unbequemste Wahrheit der gesamten Kakaobranche.Über Kinderarbeit wird viel gesprochen. Über Armut auch. Über existenzsichernde Einkommen dagegen noch immer viel zu wenig.

Gib hier deine Überschrift ein

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.